Hanning Schröder (1896-1987)

Geboren am 4. Juli 1896 in Rostock.
Schröder studierte in Rostock, München, Jena und Freiburg Medizin und - anfangs nur nebenbei - Violine/Viola, Musikwissenschaft (W. Gurlitt) und Komposition (J. Weismann). 1924 wurde er Solobratscher am Düsseldorfer Schauspielhaus, ab 1927 spielte er in verschiedenen Orchestern in Berlin. Zusammen mit seiner Frau Cornelia (geb. Auerbach) und dem Lautenisten und Instrumentenbauer Peter Harlan gründete er 1930 das Harlan-Trio, das Pionierarbeit auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis mit Musik vom Mittelalter bis zum Barock leistete. 1935 wurde Schröder wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau und der Verbindung zur Arbeitermusikbewegung aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Einzig im Orchester des Theaters am Nollendorfplatz konnte er noch spielen und so die Jahre der NS-Herrschaft überdauern. In dieser Zeit komponierte er fast nichts. Von April 1944 bis Mai 1945 versteckten die Schröders ein jüdisches Ehepaar in ihrem Haus im Quermatenweg 148 in Berlin-Zehlendorf. Nach dem Krieg spielte Schröder im DEFA-Filmorchester, lebte aber weiterhin in West-Berlin. Ab Mitte der 60er Jahre fand er zunehmend Anerkennung als Komponist, er wurde Mentor der "Gruppe Neue Musik Berlin" und erhielt u.a. Kompositionsaufträge der Berliner Philharmoniker. Hanning Schröder starb am 16. Oktober 1987 in Berlin.

Er komponierte überwiegend Kammermusik, wobei die Viola besonders oft vertreten ist, aber auch einige Lieder, Chor- und Orchesterwerke, Arbeiterlieder und ein Singspiel für Kinder "Hänsel und Gretel". Schröders Stil zeichnet sich durch lineare Stimmführung aus, Funktionsharmonik oder Harmonik um der Farbe willen vermeidet er. Nach 1950 verwendet er auch dodekaphone Techniken. Verlegt wurden bisher fast ausschließlich die nach 1945 entstandenen Werke; wichtigste Verlage sind Ries & Erler, C. F. Peters, Robert Lienau, Friedrich Hofmeister und Breitkopf & Härtel. Der Nachlass Schröders befindet sich in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Autorenportrait Hanning Schröder: www.rieserler.de


musica reanimata