Josef Tal Josef Tal (1910 - 2008)

  • geboren als Josef Grünthal in Pinne bei Posen am 18. September 1910. Im gleichen Jahr zogen die Eltern, der Rabbiner Julius Grünthal und seine Frau Ottilie geb. Bloch zusammen mit der älteren Schwester Grete nach Berlin in eine großbürgerliche Wohnung in der Roscherstr. 5. Dort war bis 1930 das von dem jüdischen Banker Max Jaffa finanzierte Fürsorge- und Waisenheim untergebracht, das bis zu 20 jüdischen Kindern im Alter von 4 – 13 Jahren in einer familiären Atmosphäre Unterstützung gewährte.
  • 1927 – 1931 Musikstudium an der Staatlich akademischen Hochschule für Musik. Er studierte Klavier bei Max Trapp, Klaviermethodik bei Leonid Kreutzer, Musiktheorie und Komposition bei Heinz Tiessen, Komposition bei Paul Hindemith, Gehörbildung bei Siegfried Borris, Musikgeschichte bei Georg Schünemann, Instrumentationslehre bei Curt Sachs, Harfe bei Max Saal, Dirigieren bei Julius Prüwer, Chorgesang bei Siegfried Ochs. Paul Hindemith stellte den Kontakt zu Friedrich Trautwein her, in dessen elektronischem Studio er mitwirkte.
  • 1931 – 1934 Nach Abschluss des Studiums arbeitet er als Klavierlehrer, Korrepetitor und Stummfilmpianist. 1932 heiratete er die Tänzerin Rosie Löwenthal. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn Rainer-Reuven geboren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die für ihn ein Berufsverbot bedeutete, entschloss er sich nach Palästina auszuwandern und absolvierte zunächst eine Berufsausbildung als Fotograf, um eine Einwanderungserlaubnis bei den britischen Behörden zu erhalten.
  • 1934 Ankunft der Familie in Haifa. Gelegenheitsarbeiten als Fotograf in Haifa und Hadera. Er erkrankt an einer mysteriösen Erkrankung, die ihn arbeitsunfähig macht und erholt sich im Kibbuz Beit Alpha. Danach konzertiert er als Pianist in verschiedenen Kibbuzim. Der Kibbuz Gesher läd ihn nach einem Konzert ein, Kibbuzmitglied zu werden. Tal willigt ein und holt seine Familie nach.
  • 1936 entschließt er sich, den Kibbuz zu verlassen, da sich ihm neue berufliche Perspektiven in Jerusalem bieten. Er spielt dort regelmäßig Klavierrecitals für den neu gegründeten Palestinian Broadcast Service (1936 – 1948), spielt Harfe im neu gegründeten Palestine Symphony Orchestra und unterrichtet Klavier und Musiktheorie am Palestine Conservatory of Music.
  • 1937 Trennung von seiner ersten Frau Rosie; 1940 Heirat mit der Künstlerin Pola Pfeffer; 1948 wird der Sohn Etan geboren¸1950 Freitod seiner ersten Frau Rosie Löwenthal.
  • 1938 Emil Hauser, der Gründer und Direktor des Jerusalemer Konservatoriums, beruft ihn als Leiter der Kompositionsklasse, die Stefan Wolpe aufgebaut hatte. Wolpe und seine Frau, die Pianistin Irma Schoenberg, waren im gleichen Jahr nach New York übergesiedelt.
  • 1943 Der Vater Julius Grünthal wird am 16. 4. im Vernichtungslager Sobibor erschossen.
  • 1948 – 1952 Direktor der Jerusalem Academy of Music and Dance
  • 1950 Hebraisierung des Geburtsnamens Gruenthal: Tal bedeutet auf Hebräisch Tau.
  • 1951 – 1981 lehrt er an der Hebräischen Universität Jerusalem; 1961 Gründung des Studios für elektronische Musik. 1966 wird er zum Professor des am 1965 neu gegründeten Department of Musicology berufen. Er leitet das Institut bis 1971 und lehrt dort bis zu seiner Emeritierung 1981.
  • 1957 UNESCO Stipendium (Europa, USA) für die Erforschung elektronischer Musik
  • 1967 Sein Sohn Reuven fällt im Sechstagekrieg.
  • 1982/83 Fellowship am Wissenschaftskolleg in Berlin
  • Am 25. 8. 2008 verstirbt er in Jerusalem.

    Porträtiert bei musica reanimata im 175. Gesprächskonzert am 7. Mai 2026.


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