Das nächste Konzert
Das Gesprächskonzert Nr. 172 zu Gustav Brecher ist verschoben worden, neuer Termin: 12. Juni 2026
(173) Dienstag, 27. Januar 2026, Konzerthaus Berlin, Musikclub, 20 UhrAufführungsverbot und innere Emigration - Die Komponistin Ilse Fromm-Michaels
Ilse Fromm-Michaels (*1888 - 1986) war Hamburgerin. Schon früh bekam sie Klavierunterricht und entdeckte ihre Leidenschaft fürs Komponieren. Bereits als 13jährige wurde sie an der Musikhochschule in Berlin als Jungstudentin aufgenommen. Drei Jahre später wechselte sie an das Stern'sche Konservatorium zum Klavierstudium bei James Kwast und studierte Komposition bei Hans Pfitzner, so kurzzeitig, dass sie dessen Einfluss als gering einschätzte. Nach dem Studium feierte sie als Pianistin deutschlandweit Erfolge, trat unter Dirigenten wie Otto Klemperer, Carl Schuricht oder Arthur Nikisch auf und gab Klavierabende mit Werken zeitgenössischer Komponisten wie A. Schönberg, A. Berg, A. Webern u.a. Befreundet war sie mit Erwin Schulhoff, dessen "Zwei Klavierstücke" op. 4 sie 1913 uraufführte. In welchem Umfang Ilse Fromm-Michaels eigene Kompositionen in ihre Programme aufnahm, ist unbekannt. 1915 heiratete sie den musikbegeisterten jüdischen Richter Walter Michaels.
Auf dem Weg der Komponistin zu einem eigenen Stil in freier Tonalität kam kurz nach der Machtübertragung an die Nazis 1933 der Bruch: Ihr Mann wurde zwangspensioniert. "Und dann kam das Schlimmste: die Hitlerzeit, in der mir wegen meiner Ehe jedes Konzertieren und Aufgeführtwerden verboten wurde" (Ilse Fromm-Michaels 1973). Insbesondere in den 1930er Jahren komponierte sie auch Werke für Orchester, die die bedrohliche Situation und den Rückzug in die "innere Emigration" widerspiegeln. 1946 starb ihr Mann. Ilse Fromm-Michaels verstummte als Komponistin.
Die Pianistin Babette Dorn hat sich intensiv mit dem Leben und Werk Ilse Fromm-Michaels auseinandergesetzt. Sie wird eine Auswahl ihrer Klavierwerke zu Gehör bringen und im Gespräch mit Bettina Brand an die Komponistin erinnern.
Dieses Konzert wird unterstützt durch die Bareva Stiftung
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(172) 12. Juni 2026: Gustav Brecher: Dirigent, Komponist, Opernerneuerer. Ein jüdisches Musikerleben zwischen Ruhm und Exitus
Eintritt: 8 Euro (keine Ermäßigungen)
Kartenvorbestellungen: Konzerthaus Berlin [www.konzerthaus.de]
Tel.: (030) 20309 - 2101