Robert Kahn Robert Kahn (1865-1951)

Robert Kahn stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Mannheim. Von 1882 bis 1885 studierte er an der Berliner Musikhochschule bei Ernst Rudorff, Woldemar Bargiel und Friedrich Kiel. Dann wechselte er nach München, wo Josef Rheinberger sein Kompositionslehrer wurde. Die persönliche Begegnung mit Johannes Brahms im Jahr 1886 hinterließ bei ihm einen starken Eindruck.

Nach einer Tätigkeit als Korrepetitor am Stadttheater Leipzig wechselte Kahn 1894 nach Berlin, wo er an der Königlichen Hochschule für Musik Dozent und bald auch Professor für Komposition wurde. Zu seinen Schülern gehörten der Pianist Wilhelm Kempff, den er in Komposition unterrichtete, die Komponisten Günter Raphael und Nikos Skalkottas sowie der Geiger Karl Klingler. Neben seiner Lehrtätigkeit trat Kahn auch als Klavierpartner bedeutender Interpreten auf.

1916 war er zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt worden. Als Jude verlor er 1934 diese Position, obwohl es selbst in der Akademie Widerstand gegen seine Entlassung gab.
Mit seiner Frau zog der Komponist daraufhin in sein Landhaus „Obdach“ im mecklenburgischen Ort Feldberg, bis er im Dezember 1938 nach England emigrierte. Finanziell unterstützt von seinen amerikanischen Verwandten verbrachte er hier zurückgezogen den Rest seines Lebens. Er starb am 29. Mai 1951 in Biddenden (Kent).

Kahn schuf Kammermusik, u.a. 2 Klavierquintette, 2 Streichquartette, 3 Klavierquartette, 6 Klaviertrios, 3 Violinsonaten und 2 Violoncellosonaten, über 200 Lieder und zahlreiche Chöre. Diese zumeist romantischen Werke sind meisterhaft gearbeitet und verbleiben stets im Rahmen der Tonalität. In den Jahren der inneren Emigration und im englischen Exil entstand der Zyklus „Tagebuch in Tönen“ mit nicht weniger als 1160 Klavierstücken.

Porträtiert bei musica reanimata unter Mitwirkung des Musikwissenschaftlers Steffen Fahl und von Familienangehörigen im 36. Gesprächskonzert am 7. Oktober 1999.


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